Anzeige

Mundpflege ab dem ersten Zahn

Mundgesundheit hat ab dem ersten Zahn eine Priorität und ein Termin in der Zahnarztpraxis beginnt schon im Wartezimmer. Dr. Anna Nilvéus Olofsson setzt sich leidenschaftlich für die Prophylaxe ein und macht die Zahnpflege von klein auf zu einer positiven Erfahrung. Hier teilt sie ihre besten Erfahrungen als Zahnärztin und Spezialistin für Kinderzahnheilkunde.

Was können Sie uns zunächst über häusliche Prophylaxemaßnahmen für Kinder sagen?
Dr. Olofsson: Die Schaffung gesunder Gewohnheiten ist schon in jungen Jahren ein Eckpfeiler der Prävention. Dazu gehören zweimal tägliches Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta und eine gesunde Ernährung. Dies betrifft natürlich die ganze Familie, wobei die Eltern die Verantwortung und eine Vorbildfunktion haben. Wir wissen ja alle, dass Kinder tun, was wir tun, und nicht, was wir ihnen sagen.

Wie sieht es mit der Zahnputztechnik aus – gibt es da eine ideale Methode?
Dr. Olofsson: Der erste Schritt ist die Auswahl einer guten Zahnbürste, und auch dabei sollten wir die Eltern anleiten. Die Bürste sollte einen kleinen Bürstenkopf haben, um jeden Winkel des kleinen Mundes zu erreichen, und weiche Borsten. Der Griff sollte für eine kleine Hand geeignet sein, aber auch für den Erwachsenen, der die Zähne putzt (Abb. 1a und b). Entscheidend ist ein systematisches Bürsten aller Seiten – lingual, bukkal und okklusal – mit kleinen Bewegungen und leichtem Druck (Abb. 2). Ich empfehle gerne, dem Zahnfleischrand dabei besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

Welche Rolle spielt die Putzzeit für das Putzergebnis?
Dr. Olofsson: Natürlich ist die Putzzeit ein wichtiger Faktor, aber sie sollte auch in Relation zur Anzahl der Zähne stehen, die tatsächlich durchgebrochen sind oder gerade durchbrechen. Die klassische Zwei-Minuten-Regel gilt also für ein vollständiges Milchgebiss.

Ab wann sollten Kinder auch mit der Reinigung der Interdentalräume beginnen?
Dr. Olofsson: Im Vordergrund steht erst einmal das Erlernen des effektiven, regelmäßigen Zähneputzens. Im Allgemeinen würde ich im Milch und Wechselgebiss nur dann mit der Interdentalreinigung beginnen, wenn dies aus einem bestimmten Grund von einem Zahnarzt empfohlen wird.

Was ist bei Kinderzahnpasta wichtig?
Dr. Olofsson: Die Grundregel lautet, eine Zahnpasta zu verwenden, die Fluorid in einer altersgerechten Konzentration (1.000 ppm) und Menge enthält. Für Kinder wird ab dem ersten Zahn bis zum zweiten Geburtstag zweimal täglich eine reiskorngroße Menge empfohlen. Danach bis zum sechsten Geburtstag zwei- bis dreimal täglich eine erbsengroße Menge. Ab sechs Jahren werden dann 2 cm fluoridhaltige Zahnpasta mit 1.450 ppm empfohlen. Die Rolle von Fluoridzahnpasta bei der Kariesprävention ist gut dokumentiert.

Und was bevorzugen Kinder im Allgemeinen?
Dr. Olofsson: Bei der Wahl einer Zahnpasta werden schon von den ganz Kleinen milder Geschmack und weniger Schaum oft bevorzugt. Zahnpasta ohne Schaum hilft nicht nur bei der Gewöhnung an das Zähneputzen, sondern auch den Erwachsenen zu sehen, wo sie putzen.

Was kann man versuchen, wenn Kleinkinder sich weigern, ihre Zähne zu putzen?
Dr. Olofsson: Das kommt in den meisten Familien von Zeit zu Zeit vor, und es ist unsere wichtige Aufgabe, die Eltern dann zu ermutigen und ihnen die Hilfsmittel zu empfehlen, die das Zähneputzen so reibungslos wie möglich gestalten. Ich rate den Eltern zudem, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, ein Lied zu singen oder eine Geschichte zu erzählen. Ich schlage auch oft vor, ein kleineres Kind auf den Wickeltisch zu legen, so dass der Kopf dem Elternteil am nächsten ist. Das trägt dazu bei, Kopf und Mund des Kindes gut zu überblicken, während das Kind sich frei bewegen und zur Ablenkung ein Spielzeug halten kann. Die Nähe und der Blickkontakt geben dem Kind ein Gefühl von Sicherheit. Diese Position kann auch von älteren Kindern noch eingenommen werden, dann allerdings auf dem Bett oder dem Boden. So wird das Zähneputzen wirklich einfacher (Abb. 3).

Welche Rolle spielt die Ernährung bei Kindern?
Dr. Olofsson: Eine ausgewogene Ernährung, die alle Nährstoffe enthält, die Kinder brauchen, ist das A und O. Das ist natürlich für den ganzen Körper wichtig.

Was können Sie uns über gute Essgewohnheiten sagen?
Dr. Olofsson: Wenn wir mit den Eltern und Patienten darüber sprechen, sollten wir besonders die grundlegenden Informationen weitergeben, wie z. B. das Einnehmen regelmäßiger Mahlzeiten und das Vermeiden von Zwischenmahlzeiten, um die Erholung des pH-Werts im Speichel zwischen den Mahlzeiten zu ermöglichen. Aber es ist auch wichtig, die Herausforderungen der jeweiligen Familie zu erkennen, um maßgeschneiderte Ratschläge geben zu können. Mein Rat ist es deshalb, neugierig zu sein und offene Fragen zu stellen.

Wie sollte man mit dem Verlangen der Kinder nach Süßigkeiten umgehen?
Dr. Olofsson: Am besten ist es, das Bekanntmachen mit Süßigkeiten so lange wie möglich hinauszuzögern und sie dann auf einmal pro Woche zu beschränken. In einer modernen Zahnmedizin sollten wir einen präventiven Ansatz verfolgen und unser Wissen auf diesem Gebiet mit den Eltern teilen.

Gibt es aktuelle Lebensstile oder Trends in der Kinderernährung, die sich auf die Mundgesundheit auswirken könnten?
Dr. Olofsson: Wir treffen oft auf sehr gut informierte Eltern, aber manchmal müssen wir ihre Meinung darüber, was aus Sicht der Mundgesundheit gut ist, in Frage stellen. Ein Beispiel sind Fruchtsäfte, die zwar oft viele Vitamine enthalten, aber auch einen niedrigen pH-Wert und ein erosives Potenzial haben. Das bedeutet, dass sie nicht uneingeschränkt konsumiert werden sollten.

Ein rücksichtsvoller und fürsorglicher Umgang mit Kindern ist Ihnen eine besondere Herzensangelegenheit. Erzählen Sie uns mehr darüber!
Dr. Olofsson: In der Praxis können wir einen sehr positiven Einfluss auf Kinder und ihre Familien haben. Das beginnt schon im Wartezimmer, wenn wir sie begrüßen und das Kind dabei ganz natürlich in den Mittelpunkt stellen. Eine positive erste Erfahrung in der Zahnarztpraxis prägt die Wahrnehmung des Kindes von der zahnärztlichen Versorgung und beeinflusst somit seine zukünftige Mundgesundheit. Häufig ist die „Tell-Show-Do-Methode“ ein erfolgreicher Ansatz für Kinder. Es geht aber auch darum, die Eltern zu erziehen, damit sie sich ihrer Rolle bewusst sind und erkennen, wie wichtig sie für die Schaffung gesunder Gewohnheiten sind. Wir sollten uns als ihre persönlichen Trainer verstehen, um die bestmögliche häusliche Zahnpflege und bei ihren Kindern gesunde Gewohnheiten zu erreichen.

 

Bild Zahnfee: Adobe Stock – Natallia_Chatkova

 

Dr. Anna Nilvéus Olofsson

 

Abb. 1a und b Das vorsichtige Anheben der Lippe oder Wange erleichtert das Erreichen aller Zahnflächen.


Abb. 2 Für durchbrechende Molaren kann eine abgewinkelte Einbüschelbürste hilfreich sein.

 


Abb. 3 Zähneputzen kann auch die Bindung stärken. Liegt das Kind dabei auf dem Rücken ist das Putzen einfacher.



Ähnliche Artikel

KZBV drängt Lauterbach mit offenem Brief zum Handeln
Zeit für Patienten läuft ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ich stimme den Allgemeinen Nutzungsbedingungen sowie Datenschutzbestimmungen zu, die ich hier eingesehen habe. *