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Elfjähriges Mädchen durch Zahnpasta gestorben

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Allergischer Schock wegen Zahncreme

Elfjähriges Mädchen durch Zahnpasta gestorben

Auch in Zahnpasta können Inhaltsstoffe stecken, die allergische Reaktionen auslösen. Für Denise aus Kalifornien wurde das leider zum Verhängnis.

Copyright © Davizro Photography - stock.adobe.com

Ein tragischer Fall aus den USA: In Kalifornien ist ein elfjähriges Mädchen gestorben, weil es die falsche Zahnpasta benutzt hat. Die Schülerin Denise Saldate litt an einer Allergie gegen Kuhmilch-Proteine und starb nach dem Zähneputzen an einem anaphylaktischen Schock.

Anfang April war Denise bei einem Zahnarzt in Behandlung gewesen. Der hatte ihr eine medizinische Zahnpasta gegen Flecken auf ihren Zähnen verschrieben, berichtet das US-amerikanische Fachmagazin “Allergic Living“. Grundsätzlich war seit Jahren bekannt, dass die Schülerin gegen Milcheiweiß allergisch war – nur der Zahnarzt war darüber offenbar nicht informiert. Die Eltern hatten alle Lebensmittel gewissenhaft geprüft. Auch die Inhaltsstoffe von anderen Zahncremes hatten sie jahrelang gründlich gelesen; doch da es dort nie einen Hinweis auf Milchproteine gegeben hatte, überprüften sie das Etikett diesmal nicht. Ein fataler Fehler: Denn diese spezielle Zahnpasta enthält den Stoff Recaldent, der aus dem Milchprotein Kasein gewonnen wird – eine entsprechende Warnung ist klein auf der Packung aufgedruckt.

Zahnpasta verursacht Atemnot und blaue Lippen

Als Denise sich zum ersten Mal mit der Zahncreme die Zähne putzen wollte, traten die allergischen Symptome sofort auf: Das Mädchen lief weinend und mit Atemnot und blauen Lippen zu seiner Mutter. Die 15-jährige Schwester des Mädchens rief sofort einen Krankenwagen und die Mutter versuchte, Denise mit ihrem Asthma-Inhalator und einem Epinephrinstift zu helfen. Als das nichts half und Denise das Bewusstsein verlor, versuchte die Mutter sogar, ihre Tochter zu reanimieren. Obwohl der Krankenwagen schnell vor Ort war, konnten die Sanitäter und Ärzte das Leben der Schülerin nicht retten. Die Elfjährige starb noch am gleichen Abend.

Die Mutter richtet sich nun mit einem emotionalen Aufruf in der Zeitschrift “Allergic Living” an andere Familien, in denen Lebensmittelallergien vorkommen: “Lest alles! Werdet nicht zu bequem, weil ihr seit mehreren Jahren mit der Allergie lebt. Habt keine Angst zu fragen und dadurch sicherzustellen, dass die Inhaltsstoffe eines Produkts in Ordnung sind”. Die Redakteure des Magazins schließen sich mit einem Appell an die Zahnärzte und das Praxispersonal an, Patienten grundsätzlich immer nach Allergien zu fragen. Auch andere behandelnde Ärzte sollten ihre Patienten für mögliche Risiken sensibilisieren und sie dazu auffordern, das Thema bei ihrem Zahnarzt anzusprechen.

Was ist ein anaphylaktischer Schock?

Der anaphylaktische Schock ist die schwerste Form der allergischen Reaktion, die den ganzen Körper erfassen und tödlich enden kann. Häufige Auslöser sind dabei Insektengifte z. B. durch Bienen- oder Wespenstiche, Medikamente und bestimmte Lebensmittel, beispielsweise Erdnüsse, Fisch und Meeresfrüchte – oder auch Kuhmilch-Proteine wie bei Denise. Grundsätzlich kann allerdings jedes Allergen potentiell einen anaphylaktischen Schock auslösen.

Und was passiert dabei im Körper? Wie bei jeder anderen allergischen Reaktion identifiziert das Immunsystem das Allergen als Bedrohung und setzt Mechanismen in Gang, um die Gefahr abzuwenden. Beim anaphylaktischen Schock passiert das aber in deutlich stärkerem Ausmaß als bei leichteren allergischen Reaktionen. Der Körper schüttet schnell massenhaft Histamin aus, die Blutgefäße erweitern sich und das Blut gelangt deshalb nicht mehr zu den lebenswichtigen Organen wie Herz, Gehirn und Lunge. Dadurch sackt der Blutdruck massiv ab und der Patient leidet unter Schwindel, Bewusstseinseintrübung bis hin zur Bewusstlosigkeit. Gleichzeitig bilden sich Ödeme im Gewebe. Eine solche Schwellung kann im Kehlkopfbereich die Sauerstoffzufuhr abschnüren und dadurch lebensgefährlich werden. Dadurch und durch den Flüssigkeitsmangel bricht die Versorgung der Organe zusammen – die Folge kann ein Herz-Kreislauf-Stillstand sein.

Anaphylaktischer Schock: Symptome

Entscheidend ist, die Symptome früh zu erkennen:

  • Hautrötung, Quaddeln oder Schwellungen,
  • Juckreiz auf Haut oder Schleimhaut
  • Kratzen im Hals
  • Schluckbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen
  • Atemnot, Asthmaanfall
  • Bewusstseinstrübung
  • Beschleunigter oder verlangsamter Puls
  • Krampfanfälle
  • Bewusstlosigkeit und Atemstillstand

Im Ernstfall ist eines ganz wichtig: Den Notarzt rufen! Viele Allergiker, die das Risiko kennen, haben außerdem ein Notfall-Set bei sich – um beispielsweise bei Insektenstichen schnell reagieren zu können. Das Set zur Selbstinjektion enthält abschwellend wirkende Medikamente gegen die allergische Reaktion (Antihistaminika und Kortison) sowie Adrenalin in einem Gerät zur Selbstverabreichung durch den Patienten bzw. durch Angehörige (Auto-Injektor), das den Kreislauf stabilisiert.

Experten schätzen, dass etwa 1-1,5 Prozent der Bevölkerung schon einmal einen anaphylaktischen Schock hatten. Pro eine Million Einwohner sterben außerdem im Jahr ein bis drei Menschen an einem anaphylaktischen Schock.



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