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Patientenbetreuung 4.0 – alles wird größer

25. Jahrestagung der DGDH

Patientenbetreuung 4.0 – alles wird größer

DH Sylvia Fresmann und Prof. Dr. Johannes Einwag bei der DGDH-Jahrestagung 2019.

Copyright © Skupin

Zum 25. Mal traf sich die Deutsche Gesellschaft für Dentalhygienikerinnen (DGDH) zur Jahrestagung. Treffpunkt war wieder Ludwigsburg. Aus Platzgründen wechselte man allerdings das erste (und sicher nicht letzte Mal) ins Forum. Dort gab es spannende Vorträge für die rund 450 Teilnehmerinnen.

Im vergangenen Jahr zeichnete sich bereits ab, dass das Ludwigsburger Hotel Nestor nicht mehr ausreichend Platz bieten würde. Vortragssaal und Industrieausstellung platzten aus allen Nähten. Einigen Interessierten musste sogar abgesagt werden. Also entschloss sich die DGDH zum Wechsel ins 20 Meter entfernte Forum Ludwigsburg, in dem auch die ZFZ Sommerakademie stattfindet.

Die Entscheidung war auf jeden Fall richtig – 450 Teilnehmerinnen kamen zur Jubiläumstagung. Gleich zu Beginn erhielten sie von Prof. Dr. Søren Jepsen einen vertieften Einblick in die neue Klassifikation der Parodontologie. Nur die wenigsten der DH, die sich den Vortrag anhörten, wenden die neue Klassifikation bereits an. „Das ist aber auch in Ordnung. Wir sind ja gerade erst dabei, diese in die Praxen zu bringen“, sagte Jepsen, der an der Ausarbeitung der Klassifikation als Teil der deutschen Delegation beteiligt war.

Neue PAR-Klassifikation ist die Basis für alles

Warum braucht es eigentlich diese neue Klassifikationen? Jepsen gab die passende Antwort: Für ihn ist die Klassifikation die Basis für die richtige Diagnose, Voraussetzung, um Patienten richtig behandeln zu können, für epidemiologische Studien zur Krankheitsprävalenz und für die Erforschung von Krankheitsursachen notwendig sowie für die internationale Kommunikation der Parodontologen.

„Klar war zudem, seit der letzten Klassifikation von 1999 gab es einen enormen Wissenszuwachs in der Parodontologie“, erklärte Jepsen. Der große Vorteil für ihn an dem Ergebnis: die Klassifikation kann jederzeit aktualisiert werden. Laut Jepsen liefert sie zudem eine präzisere, patientenindividuellere Einteilung. Dabei werde auch die Komplexität der Therapie berücksichtigt. Jepsen wies auf eine aktuelle Artikelreihe zur neuen Klassifikation in den zm, die sich ausführlich mit den einzelnen Aspekten der Klassifikation beschäftigt.

Schwierig: Patienten mit Pseudo-Halitosis

Über Halitosis und eine Halitosis-Sprechstunde, die am Uniklinikum Köln angeboten wird, sprach Prof. Dr. Michael J. Noack. Bei der Definition von Mundgeruch wies Noack direkt daraufhin, dass der schlechte Geruch nicht nur im Mund seine Ursache haben kann. Allerdings liegen 87 Prozent der Gründe in der Mundhöhle.

Ein schwieriger Aspekt in der Halitosis-Sprechstunde seien für ihn die Patienten mit Pseudo-Halitosis, die denken, sie hätten ein Mundgeruch-Problem. Allerdings sei dieses nicht feststellbar. In unserer Sprechstunde machen diese Patienten zwischen 15 und 20 Prozent der Fälle aus. Generell wird davon ausgegangen, dass etwa 32 Prozent der Patienten mit Halitosis zu kämpfen haben.

Als Therapieansatz empfiehlt Noack die Zungenreinigunginsbesondere im dorsalen Dreieck. Das liege leider in der Nähe der Würgerezeptoren. Daran müssten sich die Patenten gewöhnen. „Deshalb lieber abends als morgens reinigen.“

Noacks Tipp: Die Zungenreinigung immer mit einem Reinigungsgel bzw. einem antibakteriellen Mittel durchführen. In der ersten Woche sollte man den Patienten das täglich zu Hause machen lassen. Anschließend könne man einen individuellen Intervall für die Anwendung für die Patienten erarbeiten.

Biologische Unterstützung von PA-Patienten durch CoQ10

Für eine ökologische Unterstützung der PA-Therapie plädierte anschließend Dr. Margit Schütze-Gößner. Die österreichische Zahnärztin betonte gleich zu Beginn ihres Vortrages: Das Reinigen stehe immer im Vordergrund und werde nicht in Frage gestellte.

Schütze-Gößner zeigte, dass die Parodontitis eine durch Bakterien hervorgerufene Krankheit ist, die zu Entzündungen führe. Ziel sei es, die Entzündung zu stoppen. Allerdings würden nicht die Bakterien den Knochen „wegfressen“, sondern die anhaltende entzündliche Immunantwort. Grund dafür ist die mitochondriale Dysfunktion.

Hier sieht Schütze-Gößner den richtigen Ansatz. „Zur Abwehr brauchen wir hier Energie.“ Diese will sie durch das CoEnzym Q10 zuführen. Denn der CoQ10-Spiegel sei bei PA-Patienten deutlich niedriger. Das hätten auch Studien belegt. Die Expertin empfiehlt, bei den Patienten die CoQ10-Zufuhr durch ein Spray. Entscheidend sei, dass der Patient das Q10 nach der PZR zuführe und dies zu Hause weiter durchführe.

Lokale Antibiotika in der PA-Therapie

Prof. Dr. Nicole Arweiler zeigte zudem die aktuellen Empfehlungen der unterstützenden chemischen PA-Therapie. Lokale Antibiotika seien ein wirksames Hilfsmittel. Insbesondere an Stellen, die nicht ansprechen und weiterhin Sondierungstiefen größer vier Millimeter und BOP zeigen. Aber auch Stellen, wo die mechanische Instrumentierung schwierig ist. Arweiler sieht den Einsatz der lokalen Antibiotika insbesondere in der PA-Nachsorge.

Patientenkommunikation ist Vertrauenssache

Zum Abschluss ging es um die Patientenkommunikation. Dr. Christian Bittner fasste diese ganz einfach zusammen: „In der Patientenkommunikation geht es nur um Vertrauen.“ Er zeigte, welche Unterschiede zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung herrschen können. Diese führen  zu kommunikativen Konflikten, sind die Unterschiede zu groß. Sein Tipp: die Transaktionsanalyse.

Dabei geht man von der Grundannahme aus: Ich bin okay, du bist okay. Wenn also ein Konflikt mit einem Patienten auftritt und dieser einen zum Beispiel anschreit, soll man sich sagen: Das hat nichts mit mir persönlich zu tun, der Patient selber hat offenbar ein Problem, das ihn so reagieren lässt. Bittner empfiehlt, nicht auf das Problem einzusteigen, sondern dem Patienten direkt eine Lösung dafür anzubieten. Nimmt er sie nicht an, ist das allein seine Entscheidung und sollte für das Praxisteam in Ordnung sein. In diesem Fall ist es jedoch wichtig, den Willen des Patienten ausführlich zu dokumentieren.



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