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Einfach besser Zähne putzen

Beim Check-up oder der PZR wird manchmal auch über Zahnpasta gesprochen. Oft schneiden Patienten das Thema an, weil sie es sogar wichtiger finden als das Praxisteam selbst. Die Motivation, bei Zahnpasta „alles richtig zu machen“ ist offenbar hoch. Weil das Zähneputzen häufig Routinen unterliegt, bieten sich mit guten Tipps und kleinen Verhaltensänderungen Chancen für bessere Zahnputzgewohnheiten.

Ein Beitrag von Dr. Ralf Seltmann (M.A.), Senior Manager Clinical Affairs bei TePe

Eine systematische Überprüfung zeigte mit mäßiger Sicherheit, dass Zahnpasta keinen zusätzlichen Effekt für die mechanische Entfernung von Zahnbelag bringt.¹ Am Modell wurde jedoch festgestellt, dass der Putzeffekt mit größeren Mengen deutlich besser ist – man könnte also sagen: viel Zahnpasta hilft viel.² Zahnpasta wirkt sich aber (zumindest dezent) hemmend auf das Plaquewachstum aus, verlängert also (mit großen Markenunterschieden) die Putzwirkung etwas.³ Bei Zahnpasta stehen also andere Wirkungen im Vordergrund.

Zahnpasta ist ein sehr komplexes Kosmetikprodukt, dass viele Aufgaben erfüllen soll. Sie soll nicht nur die Zahnreinigung unterstützen, sondern mit speziellen Inhaltsstoffen die Mundgesundheit fördern und zum Zähneputzen anregen. Neben einer Produktauswahl, die zu den individuellen Bedürfnissen passt, kommt es auch auf die richtige Anwendung an. Mit konkreten Hinweisen lassen sich die Putzgewohnheiten der Patienten verbessern und geeignete Routinen etablieren. Weil (besonders das morgendliche) Zähneputzen eine stark „automatisierte“ Verhaltensweise ist, stehen die Chancen dafür gut.⁴

Wie gute Gewohnheiten entstehen

Kennt man die Mechanismen zur Herausbildung und Veränderung von Gewohnheiten etwas, lassen sich neue anregen und in das individuelle Repertoire einbauen. Gewohnheiten sind automatische Verhaltensreaktionen. Ihre Auslöser können zeitlich (zu bestimmten Tageszeiten), aktivitätsbezogen (bei bestimmten Tätigkeiten) oder (durch etwas in der Umgebung) ereignisbezogen sein. Bei der Zahnputzroutine also morgens und abends, nach dem Frühstücken und vor dem Zubettgehen und zusätzlich z.B. auch im Zusammenhang mit Terminen. Etwa solchen, bei denen man besonders „glänzen“ möchte. Jeder weiß: Gewohnheiten entstehen durch ständige Wiederholungen. So brauchten Studienteilnehmer zur Aneignung selbstgewählter Gewohnheiten durchschnittlich 66 Tage (Spannweite 18 bis 254 Tage), bis sie zur vollständigen Routine wurden.⁵

Bei Mundgesunden ist das Ziel, die bewährten Gewohnheiten zu erhalten. Bei anderen sind jedoch neben einer hinreichenden Gesundheitsorientierung auch bewusste aktive Verhaltensänderungen notwendig, um den angestrebten Mundhygienelevel zu erreichen. Weil Kenntnisse bei der Gewohnheitsbildung wichtig sind, kommt es darauf an, relevante Informationen an die Patienten weiterzugeben. Neben solchen über ihre Mundhygienesituation und den Pflegebedarf spielen konkrete Hinweise zur richtigen Verwendung der Mundhygieneprodukte eine große Rolle.

Kleine Details, große Wirkungen

Bei den Erwartungen an Zahnpasta steht der Kariesschutz im Vordergrund. So hängt die erreichbare Fluoridkonzentration am Wirkort eng mit der Zahnpastamenge zusammen. Tests mit Erwachsenen ergaben, dass die approximale Konzentration stark von der Putzroutine abhängt. Dabei kam es auf drei Faktoren an: Sie erhöht sich um ca. 47%, wenn der Zahnpastastrang von 1 auf 2cm verlängert, um ca. 27%, wenn die Putzdauer von 1 auf 2 Minuten verdoppelt und um ca. 41%, wenn das Spülwasser von 20 auf 10 ml halbiert wird.⁶ Ist ausreichend Speichel vorhanden, kann auf Spülwasser gänzlich verzichtet werden, indem das Zahnpasta-Speichel-Gemisch noch eine Weile zwischen den Zähnen hindurchgepresst und dann ausgespuckt wird ohne nachzuspülen. So bleiben die Wirkstoffe länger in Kontakt mit den Oberflächen, was die Effekte verbessert (z.B. Schmelzhärtung, Desensibilisierung).

Für ein gutes Reinigungsergebnis kommt es besonders auf die Dauer und Systematik beim Putzen an, weniger auf die Zahnpasta oder die Putztechnik (welche bei elektrischen Zahnbürsten ohnehin vorgegeben ist).⁷ Oft werden 2-3 Minuten empfohlen, was eine gute Faustregel ist, aber individuellen Besonderheiten nicht gerecht werden kann. Die erforderliche Zeit lässt sich in drei Schritten ermitteln: 1. Die Zeit für die übliche Zahn- und Interdentalreinigung stoppen, 2. verbliebene Zahnbeläge anfärben, 3. Nachputzzeit (ggf. mit Spezialbürsten) stoppen. Addiert ergeben beide Werte die individuelle Putzzeit.⁸

Eine Systematik ist gut, wenn sie alle Zahnflächen berücksichtigt und leicht zu merken ist. Die KAI-Methode für Kinder bietet eine gute Orientierung. Eine andere leicht zu merkende „Formel“ ist die in Schweden sehr verbreitete 4×2-Empfehlung: mit 2 cm fluoridhaltiger Zahnpasta 2 mal am Tag für 2 Minuten Putzen, danach 2 Stunden nicht essen und trinken. Hier steht zur leichteren Gewohnheitsbildung sicher die Vereinfachung im Vordergrund, weniger individuelle bedarfsorientierte Putzzeiten.

Zahnpasta ist auch Geschmackssache

Einfache Hilfsmittel und Methoden zu empfehlen und dabei die Patientenvorlieben zu berücksichtigen, wird die Compliance und das Erreichen positiver Ergebnisse erleichtern. Alles was die Gewohnheitsbildung stören könnte, sollte dagegen möglichst vermieden werden, denn die Schwelle zwischen der Absicht und der tatsächlichen Umsetzung muss so gering wie möglich sein. Wir sorgen dafür, dass die Hilfsmittel und die Technik stimmen, in der Patientenverantwortung liegt es, sie zu Hause anzuwenden und sich zur Gewohnheit zu machen.

Zahnpasta macht das Putzen für viele angenehmer. Es kommt aber darauf an, dass sie auch als angenehm empfunden wird. Das unterstützt die Motivation und damit eine ausreichende Putzzeit. Manche wünschen sich eine Zahnpasta, die besonders mild ist, möglichst wenige Inhaltsstoffe hat und/oder kaum oder nicht schäumt. Solche Produkte werden bei Mundtrockenheit, Burning Mouth und Sjögren Syndrom, Lichen planus, Candidiasis, sensorischen Störungen, manchen Allergien und bei Aphthen oder Bestrahlungen besser toleriert. Für alle, die eine „normale“ Zahnpasta unangenehm finden, kann TePe Pure aus Schweden eine gute Alternative sein. Sie enthält weder SLS noch Farb- oder Konservierungsstoffe, schäumt nicht, ist vegan und geschmacksneutral oder mit besonders mildem Minzgeschmack erhältlich und hat dabei immer 1450ppm Fluorid.

Interesse an Zahnpasta als Steilvorlage

Das häufige Interesse an „der richtigen“ Zahnpasta lässt sich auch als Einstieg und Motivation für bessere Putzgewohnheiten mit Zahn- und Interdentalbürsten nutzen. Oft sind mit relativ geringen Anpassungen gute Effekte möglich, zumal die Optimierung etablierter Routinen manchen leichter fallen dürfte als die Eingewöhnung völlig neuer.

Stichwort Motivation: Kennt ihr Change-Talks? Stellt euch vor, ihr fragt „Wie wichtig ist Ihnen die Verbesserung ihrer Mundhygiene auf einer Skala von 0 bis 100?“. Wenn der Patient geantwortet hat, fragt Ihr nach: „Warum nicht 0?“. Bei der Beantwortung wird der Patient nun von sich aus gute Gründe für Verbesserungen nennen, was seine intrinsische Motivation erhöht. Viel Erfolg dabei!

 

 

Quellen

¹ Valkenburg C et al. Does dentifrice use help to remove plaque? A systematic review. J Clin Periodontol. 2016 Dec;43(12):1050-1058. doi: 10.1111/jcpe.12615. Epub 2016 Oct 3. PMID: 27513809.

² Sarembe S et al. Influence of the Amount of Toothpaste on Cleaning Efficacy: An In Vitro Study. Eur J Dent. 2022 Jul 4. doi: 10.1055/s-0042-1747953. Epub ahead of print. PMID: 35785824.

³ Valkenburg C et al. Is plaque regrowth inhibited by dentifrice?: A systematic review and meta-analysis with trial sequential analysis. Int J Dent Hyg. 2019 Feb;17(1):27-38. doi: 10.1111/idh.12364. Epub 2018 Sep 27. PMID: 30169912; PMCID: PMC7379558.

⁴ Raison MH, Corcoran R, Burnside G, Harris R. Oral hygiene behaviour automaticity: Are toothbrushing and interdental cleaning habitual behaviours? J Dent. 2020 Nov;102:103470. doi: 10.1016/j.jdent.2020.103470. Epub 2020 Sep 9. PMID: 32916230.

⁵ Lally P et al. How are habits formed: Modelling habit formation in the real world. Eur J Soc Psychol. 2010 40:998-1009.

⁶ Ishizuka Y, Lehrkinder A, Nordström A, Lingström P. Effect of Different Toothbrushing Routines on Interproximal Fluoride Concentration. Caries Res. 2020;54(4):343-349. doi: 10.1159/000510181. Epub 2020 Oct 7. PMID: 33027798.

⁷ Zimmer S. Tägliche Mundhygiene. Swiss dental community 11. Jahrgang, 1/2018, 48-56

⁸ Zimmer S. Mythen und Fakten der häuslichen Mundhygiene. Prophylaxe Impuls 21. Jahrgang, 128-135, 2017

 

 

 

Dr. Ralf Seltmann (M.A.), Senior Manager Clinical Affairs bei TePe



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