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Tag der Zahngesundheit 2023: Menschen mit Handicap

Tag der Zahngesundheit 2023: Menschen mit Handicap

Bei Menschen mit Trisomie 21 sind häufig einzelne Zähne im Kiefer nicht angelegt. Sie fehlen somit im Gebiss. Die daraus entstehenden Fehlstellungen der vorhandenen Zähne bzw. der Kiefer können zu Verspannungen, Schmerzen, Ohrgeräuschen oder auch zu Schwierigkeiten bei der Sprachentwicklung führen. Eine kieferorthopädische Behandlung über mehrere Jahre kann die Fehlstellung beheben. Für das Einsetzen der kieferorthopädischen Apparatur kann eine Vollnarkose notwendig sein. Zudem erhöht die Trisomie 21 das Risiko für eine Parodontitis, also einer Entzündung des zahntragenden Gewebes. Bleibt sie unentdeckt und breitet sich bis auf den Knochen aus, können Zähne verloren gehen. Implantate können fehlende Zähne ersetzen und schonen dabei die Substanz der Nachbarzähne. Denn bei einer Versorgung mit einer Krone oder einer Brücke müssen die Nachbarzähne der Lücke beschliffen werden. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen jedoch auch für Patienten mit Trisomie 21 nicht die gesamten Kosten für ein Implantat, sondern zahlen nur einen Zuschuss in Höhe einer Krone oder einer Brücke. Um das Implantat einsetzen zu können, ist oftmals eine Vollnarkose notwendig. Die Kosten der Vollnarkose übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen jedoch ebenfalls nicht. Gute Mundhygiene ist bei Implantaten besonders wichtig. Ansonsten können sie verloren gehen. Menschen mit Trisomie 21 sind häufig auf Hilfe oder Anleitung bei der täglichen Zahnpflege angewiesen.

Nicht immer ist es einfach, sich gut um die eigene Gesundheit zu kümmern – sei es durch eine Krankheit, eine Behinderung oder eine schwierige Lebenssituation. Darauf macht der diesjährige Tag der Zahngesundheit mit dem Motto „Gesund beginnt im Mund – für alle!“ aufmerksam.

„Das Risiko für Karies, Parodontitis und Erkrankungen der Mundschleimhaut ist für Menschen mit Pflegebedarf oder einer Behinderung höher im Vergleich zum Durchschnitt der Bevölkerung“, erläutert Prof. Dr. Christoph Benz, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Alterszahnmedizin und Präsident der Bundeszahnärztekammer. „Das birgt auch Risiken für die Gesundheit des ganzen Körpers, denn die Mundgesundheit hängt eng mit der Gesamtgesundheit zusammen.“

Wenn die Mundhygiene schwerfällt
Rund 8 Mio. Menschen in Deutschland leben mit einer Schwerbehinderung. Das entspricht etwa 9 Prozent der Gesamtbevölkerung. Ein Drittel der schwerbehinderten Menschen ist 75 Jahre alt und älter. In 9 von 10 Fällen löst eine Krankheit die Behinderung aus. Somit kann es Jeden treffen. Mit körperlicher oder geistiger Behinderung fällt die tägliche Mundhygiene nicht immer leicht. Der Besuch bei der Zahnärztin oder dem Zahnarzt erfolgt manchmal erst, wenn Beschwerden auftreten. Damit es gar nicht erst so weit kommt, hat die Prävention gerade für Menschen mit Behinderung einen hohen Stellenwert.

Geeignete Zahnbürste hilft beim Putzen
Motivation und Geduld, feste Rituale und die richtige Ausstattung können die Zahnpflege fördern. Unter Anleitung kann sorgfältige Mundhygiene trainiert werden. Die Zahnärztin oder der Zahnarzt hilft auch, eine geeignete Zahnbürste für die Patientin oder den Patienten auszuwählen. Je nach Art der Behinderung kann so die Zahnpflege erleichtert werden. Um die Bürste besser halten zu können, können spezielle Aufsteckgriffe oder ein aufgesteckter Gummifahrradgriff sinnvoll sein. Eine sogenannte Dreikopfzahnbürste entfernt Zahnbelag sehr effektiv und reinigt Zähne gründlich. Elektrische Zahnbürsten vereinfachen die Bewegungsabläufe und es fällt leichter, die Zähne gut zu säubern.

Erklärvideos für Pflegende mit vielen Tipps
Wenn die eigenständige Mundhygiene nicht oder nur eingeschränkt möglich ist, sollten auch die Angehörigen oder die Betreuerin und der Betreuer eine Schulung erhalten. Die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) haben gemeinsam die wichtigsten Hinweise zur Mund- und Zahnpflege von Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderung in Erklärvideos zusammengefasst. Familienangehörige und Pflegepersonal finden diese auf YouTube (https://www.youtube.com/channel/UCfkWZiiGC74Pz8EMCkaH4VA). Auch wenn die zu betreuende Person nicht immer kooperiert, ist es besser, zumindest einen Teil der Zähne zu putzen als gar nicht. Manchmal ist gerade abends nicht viel Zeit. Dann kann es empfehlenswert sein, die Zähne bereits am Nachmittag in ruhiger Atmosphäre zu säubern.

Krankheiten im Mund haben Einfluss auf ganzen Körper
Insbesondere Menschen mit geistiger Behinderung können oft die tägliche Mundhygiene und den Besuch in der Zahnarztpraxis nicht eigenverantwortlich übernehmen und haben daher ein besonders hohes Risiko für Karies und andere Erkrankungen. Sie sind häufig auf fremde Hilfe angewiesen. Einige können Beschwerden wie Schmerzen nicht gut äußern. Ändert sich das Essverhalten – verweigert die oder der zu Betreuende plötzlich Lieblingsspeisen oder harte Nahrung wie z.B. Brotrinde –, kann dies jedoch auf Zahnschmerzen hindeuten. Starker Mundgeruch kann auf eine Entzündung schließen lassen. Karies, Parodontitis oder Erkrankungen der Mundschleimhaut können die Gesundheit und die Lebensqualität jedoch stark einschränken. Denn nur mit gesunden Zähnen und Mund sowie gut sitzendem Zahnersatz ist es möglich, schmerzfrei zu essen, zu trinken und zu sprechen. Auch wirken sich Erkrankungen im Mund ungünstig auf die Gesundheit des ganzen Körpers aus. So können Entzündungen in der Mundhöhle Allgemeinerkrankungen wie z.B. Diabetes oder Herz-Kreislauf-Krankheiten fördern.

Besondere Bedürfnisse beim Zahnarzt ansprechen
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen – am besten zweimal im Jahr – tragen ebenso dazu bei, dass Zähne und Mund gesund bleiben. „Die Art und Ausprägung der Behinderung ist bei den einzelnen Menschen sehr individuell. Abhängig davon lassen sich viele Menschen gut untersuchen und behandeln. Bei anderen erschwert die Behinderung den Besuch in der Zahnarztpraxis, beispielsweise wenn spastische Anfälle auftreten“, erläutert Benz. Je nachdem wie es für die Patientin oder den Patienten möglich ist zu kooperieren, ist für den Besuch mehr Zeit einzuplanen. Bereits bei der Vereinbarung des Termins sollte die Patientin oder der Patient bzw. die betreuende Person auf besondere Bedürfnisse hinweisen. So kann sich das Praxisteam schon im Vorfeld gut auf die Patientin oder den Patienten einstellen. Kurze Wartezeiten, dafür ausreichend Zeit für Untersuchung und Behandlung beugen möglichem Stress vor. Die Behandlung auf mehrere Termine mit kleineren Behandlungseinheiten aufzuteilen, kann sinnvoll sein. Wenn Patienten mit Behinderung große Angst vor der Behandlung haben oder eine notwendige Kooperation nicht möglich ist, kann die Behandlung unter einer Vollnarkose erfolgen.

Spezialisierte Zahnarztpraxen finden
Spezielle Sprechzeiten für Menschen mit Behinderung können den Besuch in der Zahnarztpraxis vereinfachen. Gerade Betreuerinnen und Betreuer von Wohngruppen können so mit mehreren Patientinnen und Patienten gleichzeitig einen Termin wahrnehmen. Die Zahnärztekammern der einzelnen Bundesländer informieren Patientinnen und Patienten über Zahnarztpraxen, die sich auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung spezialisiert haben. Die Adressen sind unter https://www.prodente.de/zahnarztsuche.html zu finden. Ist es gesetzlich Versicherten nicht möglich, in eine Zahnarztpraxis zu kommen, gibt es die Möglichkeit einer „aufsuchenden Betreuung“. Das bedeutet, dass die Zahnärztin oder der Zahnarzt nach Hause oder in eine betreute Wohneinrichtung kommt. Im Jahr 2021 waren dies rund 900.000 Besuche. Privat Versicherte können bei ihrer Krankenkasse nachfragen, ob sie diese Leistung anbietet.

Infos in Leichter Sprache rund um gesunde Zähne
Special Olympics Deutschland bietet mit der Webseite https://gesundheit-leicht-verstehen.de/ einen niedrigschwelligen, barrierefreien Zugang zu Gesundheitsinformationen in Leichter Sprache an. Und unter https://barrierefrei.prodente.de/ finden Menschen mit Behinderung leicht zugängliche Informationen über gesunde Zähne.



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