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200 Teilnehmerinnen kamen zur DGDH-Jahrestagung

Biofilm-Management / Multizenterstudie zur Periimlantitis-Prophylaxe

200 Teilnehmerinnen kamen zur DGDH-Jahrestagung

Ziebolz

Einen starken wissenschaftlichen Anspruch verfolgte die Deutsche Gesellschaft für Dentalhygienikerinnen (DGDH) auch bei ihrer 21. Jahrestagung in Ludwigsburg wieder. Spannende Ansätze zum Biofilm-Management und erste Ergebnisse der Multizenterstudie zur Periimlantitis-Prophylaxe wurden vorgestellt.

Mehr als 200 Teilnehmerinnen ließen sich trotz sommerlicher Rekordtemperaturen den Weg nach Ludwigsburg nicht nehmen. DGDH-Präsidentin Sylvia Fresmann musste einigen interessierten Kolleginnen sogar absagen, so groß war das Interesse an der Tagung. Gemeinsam mit Prof. Dr. Johannes Einwag, Leiter des ZFZ Stuttgart, eröffnete Fresmann die Jahrestagung.

"Hauptsache man macht Implantatnachsorge richtig"

Den Anfang machte PD Dr. Dirk Ziebolz mit seinem Vortrag. Eigentlich hatte Ziebolz geplant, die ersten Ergebnisse der Multizenterstudie „Prophylaxe periimplantärer Erkrankungen“ vorzustellen. Der Ansatz der Studie ist, zu zeigen, wie oft und mit welcher Methode Implantate nachversorgt werden sollen, um eine periimplantäre Mukositis zu verhindern oder zu behandeln.

„Ich habe ihnen aber leider keine knallharten Daten mitgebracht“, musste Ziebolz zugeben. Die Daten seien einfach noch zu unvollständig. Von den 105 Implantatpatienten der Studie seien viele beispielsweise erst am Anfang des Recalls. Deshalb wollte Ziebolz nur einige „weiche“ Fakten präsentieren, die sich bereits abzeichnen. Der wichtigste: Es ist eigentlich egal, mit welcher Methode man die Implantatnachsorge macht, Hauptsache man macht es richtig."

Lange galt die "No-Touch-Policy“ bei Implantaten

Das konnte auch Jan-Philipp Schmidt vom Aktionbündnis gesundes Implantat nur unterstützen. Lange Zeit habe in den Praxen ja eine „No-Touch-Policy“ bei Implantaten in der Prophylaxe gegolten.

Aus Sorge, etwas am Implantat zu verletzen oder zu zerstören. Schmidt zeichnete zudem einige der anwesenden DH, die sich an der Multizenterstudie beteiligen, mit dem ImplantatPflegeCenter-Siegel aus. Dieses Qualitätssiegel ist für Praxen gedacht, die sich der Qualität in der Implantatnachsorge verpflichten.

Dentinhypersensibilitäten betreffen jeden Vierten

Prof. Dr. Christian Gernhardt zeigte den Dentalhygienikerinnen den aktuellen Stand zum Thema Dentinhypersensibilitäten (DHS). Ein Problem, dass laut Gernhardt ca. 20 bis 25 Prozent der Patienten betrifft. „Wir müssen hier auch kein neues Problem schaffen“, beruhigte er die Teilnehmer.

Wichtig für die Therapie seien präventive Maßnahmen. Entweder über das Ernährungsverhalten, aber auch durch Mundhygiene-Produkte. Hier blickte Gernhardt etwas genauer auf die ProArgin-Technologie, die ein guter Transporteur für das Kalziumkarbonat auf die Zahnoberfläche sei.

Neuer Ansatz des Biofilm-Managements

Einen ganz neuen Ansatz des Biofilm-Managements vermittelte PD Dr. Ingo Häberlin. Er ist kein Zahnarzt, sondern Chemiker und Biochemiker und arbeitet für die Firma 3M Espe. Schonungslos räumte er mit vielen Werbebotschaften der Produkte für das Biofilmmangement auf. „Entscheidend ist nicht wie viele Bakterien im Biofilm sind, sondern wie aktiv diese sind“, sagte Häberlin. Biofilm sei ein multizellulärer Organismus, Karies sei hier eine Folge der Aktivitäten der Bakterien. „Diese Sicht hat sich aber noch nicht in der Prophylaxe durchgesetzt“, so Häberlin.

Der Kariesschutz des Fluorids beruht laut Häberlin auf der Bereitstellung von Kalzium-Ionen für den Kalziumstoffwechsel des Biofilms. Hier hätte 3M Espe chemisch tricksen können und mit dem funktionalisierten Tricalciumphosphat (fTCP) in den Clinpro-Produkten die Löslichkeit und Bereitstellung von Kalzium steuern können.

Mundtrockenheit wird wichtigeres Thema werden

Ein gar nicht trockenes Thema griff Prof. Dr. Michael Noack am zweiten Tagungstag auf. Mundtrockenheit sei ein Thema, das die DH klar zu ihren Kompetenzen zählen müsse und das zukünftig durch die alternde Bevölkerung mehr in den Vordergrund rücken wird. Schon jetzt hat jeder 4. Erwachsene mit Mundtrockenheit zu tun. „Man schätzt die meisten Dinge erst, wenn man sie nicht mehr hat“, sagte Noack.

Dazu zählt auch der Speichel, der so wichtige Funktionen wie Puffer und Demineralisation der Zähne übernimmt, aber auch für Geschmack, Sprache oder zur Abwehr von Krankheiten in der Mundhöhle wichtig sei.

Häufig ist Xerostomie medikamentenbedingt und kann zu Wurzelkaries oder Infektionen führen. Auch die Lebensqualität der Patienten leidet laut Noack darunter. Seine Empfehlung: die neue Generation von Speichelersatzmitteln, die es in den verschiedensten Varianten gebe. „Probieren Sie diese auch einmal aus. Damit Sie wissen, was Sie ihren Patienten empfehlen können.“



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