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Implantatprophylaxe, aber richtig!

Die Beliebtheit von Implantaten ist bei Patienten seit Jahren ungebrochen. Doch nach der Implantation lauern auch Fallstricke, denn es können periimplantäre Erkrankungen wie Mukositis und Periimplantitis auftreten. Das zu verhindern, ist Aufgabe der Implantatprophylaxe.

Weshalb ist die Implantatprophylaxe überhaupt so wichtig? Das liegt vor allem daran, dass der Biofilm auch bei Implantaten eine Rolle spielt. Grundsätzlich beeinflussen die Zähne sowie der parodontale Zustand der Restbezahnung die mikrobielle Kolonisation von Implantatoberflächen. Das Risiko für die Entstehung periimplantärer Erkrankungen ist bei parodontal vorerkrankten Patienten signifikant höher als bei parodontal gesunden. Nach Abklärung der Anamnese und Dokumentation des intraoralen Befundes sollte unter folgenden Gesichtspunkten die periimplantäre Mukosa beurteilt werden: Fallen Ödeme, Hyperplasien oder Rezessionen auf? Sind Entzündungszeichen oder Suppuration vorhanden?

Risikofaktoren

  • Risikofaktoren bei Patienten
  • Parodontale Vorerkrankungen
  • Mangelnde Compliance des Patienten
  • Rauchen
  • Diabetes
  • Interaktionen von Medikamenten
  • Allergien und Unverträglichkeiten
  • Strahlentherapie
  • Prothetische Versorgung auf dem Implantat
  • Biomechanische Einflüsse
  • Qualität des periimplantären Gewebes

Einen weiteren Risikofaktor stellt mangelnde Compliance dar. Um den Patienten dahingehend zu motivieren, ist es wichtig, dass der Patient von Beginn an einbezogen wird und Eigenverantwortung für den Behandlungserfolg übernimmt. Nur ein gut aufgeklärter und überzeugter Patient, der die Befunde und Konsequenzen versteht – und akzeptiert – wird dauerhaft mitarbeiten. Wir nutzen sehr gerne visuelle Hilfsmittel, da ich die Erfahrung gemacht habe, dass die Patienten die Situation dann viel schneller verstehen. Moderne computerunterstützte Befunderhebungsprogramme bieten hierbei dem Behandler effektive Unterstützung. Ein besonders benutzerfreundliches und leicht verständliches Programm in diesem Zusammenhang ist die Software „ParoStatus.de“ (www.ParoStatus.de) Praktische Erfahrungen zeigen, dass Patienten besonders von dem sich selbsterklärenden und übersichtlichen Befundbogen profitieren, der in ausgedruckter Form dem Patienten mit nach Hause gegeben wird. Mit diesem farbig gestalteten Ausdruck kann der Patient sein individuelles Erkrankungsrisiko leicht nachvollziehen. Die Kombination aus einer für Laien verständlichen Sprache und einer anschaulichen farbigen Balkengrafik zeigt unmissverständlich, ob und gegebenenfalls an welcher Stelle Handlungsbedarf besteht. Grün bedeutet „Alles okay“, Gelb bedeutet „Achtung! Vorsicht, dieser Bereich muss beobachtet“ werden und Rot wird gleichgesetzt mit „Sofortiger Handlungsbedarf“. Der Patientenbefundbogen enthält darüber hinaus die weiteren Behandlungsabläufe, die Recalltermine sowie Empfehlungen für die häusliche Mundhygiene einschließlich individueller Pflegeartikel.

Häusliche Mundhygiene
Die häusliche Mundhygiene nach der Einheilungsphase der Implantate stellt an Patienten und Hilfsmittel hohe Anforderungen. Besonders wichtig ist, dass die Implantatoberfläche nicht zerkratzt werden darf. Am Implantathalsbereich ist eine konsequente Plaque-/Biofilmbeseitigung notwendig. Dazu können unter anderem weiche Floss-Streifen verwendet werden. Das Hauptaugenmerk ist aber auf die Zahnbürsten zu richten. Bei diesen ist Modellen mit weichen Filamenten unbedingt den Vorzug zu geben. Aktuell sind elektrische Zahnbürsten mit sehr weichen Filamenten das Mittel der Wahl.
Hinsichtlich der Antriebsart scheint es so zu sein, dass eine Schallzahnbürste sich eher für Patienten eignet, die zu den „Putzmuffeln“ zu zählen sind. Schallaktive Zahnbürsten müssen nicht so genau geführt werden, der längliche Bürstenkopf reinigt gleichzeitig größere Flächen. Runde Bürstenköpfe der oszillierend-rotierenden Zahnbürsten sind eher für Patienten geeignet, die engagiert in Ruhe jeden einzelnen Zahn putzen.
Eine sehr effektive Lösung, um Implantate zu pflegen, stellen sogenannte Single- oder Solobürsten dar. Je nach prothetischer Versorgung und Zugänglichkeit ist die Handhabung immer mit dem Patienten in der Praxis einzuüben. Der Einsatz beziehungsweise die Empfehlung von Zahnseide, das wohl am wenigsten akzeptierte Mundhygienehilfsmittel, will gut überlegt sein. Moderne Flausch-Zahnseiden, die den Implantat-Zwischenraum ausfüllen, sind eine sinnvolle Ergänzung, jedoch nur mit viel Übung und motivierten Patienten umsetzbar. Die Empfehlungen, einschließlich einer konkreten Anleitung, wo welches Hilfsmittel eingesetzt werden soll, wird ebenfalls in den Patientenbefundbogen (ParoStatus.de) übernommen. Die Aushändigung einer Erstausstattung der empfohlenen Mundhygienehilfsmittel ist unter Patientenbindungsaspekten sinnvoll.

Sondieren und reinigen
Um möglichst zeitnah die Ausgangswerte, die sogenannte Baseline zu dokumentieren, hat es sich bewährt, sieben bis 14 Tage nach Eingliederung der Suprakonstruktion die Sondierungstiefen am Implantat zu messen. Wie bei natürlichen Zähnen auch, sollten immer sechs Stellen pro Implantat mit einer millimeterskalierten Sonde gemessen werden. Der Druck sollte nicht mehr als 0,15 N betragen. Anschließend sollte der BOP dokumentiert werden. Die Blutung auf Sondierung (BOP) muss als Schlüsselparameter für die klinische Diagnostik periimplantärer Infektionen angesehen werden. Implantate ohne Blutung oder Suppuration können als gesund und stabil bezeichnet werden. Die Implantat-Reinigung erfolgt unter dem kombinierten Einsatz von Handinstrumenten (Scaler, Küretten) und maschinellen Verfahrensweisen (Ultraschall-, Schallgeräte, Pulver-Wasser-Strahl et cetera). Die Ansätze der Ultraschall- und Schallgeräte sowie die Handinstrumente sollten aus Karbon oder Titan bestehen. Die empfindlichen Implantatoberflächen sind dadurch vor Beschädigungen geschützt. Kratzer und Rauigkeiten auf den Implantatoberflächen sind Prädilektionsstellen für Bakterien und müssen unbedingt vermieden werden. Maschinelle Verfahrensweisen mit modifizierten Ansätzen für Implantate bieten eine Reihe von Vorteilen, können den Einsatz von Handinstrumenten aber nicht komplett ersetzen. Weiterhin kann eine Pulver-Wasser-Strahl-Anwendung sinnvoll sein. Wichtig ist hierbei, dass nur mit minimalabrasivem Pulver gearbeitet wird. Sowohl der Einsatz von Handinstrumenten als auch von maschinellen Verfahrensweisen erfordern zwingend umfassende Kenntnisse der eng umgrenzten Indikation im Implantat-Bereich und fundiertes Wissen über Kontraindikationen. Der schmale Grat, zwischen optimaler Reinigung ohne Substanzveränderung der Implantatoberfläche und der Gefahr erheblicher Beschädigungen bei unsachgemäßer Anwendung, muss jeder Prophylaxeassistenz bewusst sein. Es spielt keine entscheidende Rolle, in welcher Reihenfolge welche Instrumente und Geräte eingesetzt werden. Entscheidend ist vielmehr, dass der Behandler beziehungsweise die Behandlerin sie „richtig“ anwendet.



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