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Studie der Universität Washington

Neue Erkenntnisse zu Gingivitis

Forscher liefern neue Erkenntnisse zu Gingivitis und der Schutzreaktion des Körpers.

Copyright © Stefano Garau - stock.adobe.com

Forscher der Universität Washington haben zum ersten Mal identifiziert und klassifiziert, wie Menschen auf die Ansammlung von Zahnbelag reagieren. Ihre Arbeit wirft ein neues Licht darauf, warum manche Menschen anfälliger für ernsthafte Erkrankungen sind, die zu Gingivitis und Zahnverlust führen können.

Unkontrolliert kann die Ansammlung von Plaque eine Gingivitis verursachen. Gingivitis wiederum kann zu Parodontitis führen. Diese kann nicht nur zu Zahnverlust führen, sondern auch zu chronische Entzündungen mit schwerwiegende gesundheitliche Folgen. Dazu zählen etwa Diabetes, Krebs und Arthritis.

Phänotyp “langsam”

Die Forscher fanden bisher unbekannte Entzündungsreaktionen auf die Ansammlung von Bakterien im Mund. Wenn sich Bakterien auf der Zahnoberfläche ansammeln, erzeugt dies eine Entzündung, um die Ansammlung zu unterdrücken. Zuvor waren zwei Phänotypen oraler Entzündungen bekannt: ein hohes oder starkes klinisches Ansprechen und ein geringes klinisches Ansprechen. Das Team identifizierte einen dritten Phänotyp, den sie „langsam“ nannten. Eine verzögerte starke Entzündungsreaktion im Zuge der Bakterienbildung.

Die Studie zeigte zum ersten Mal, dass Probanden mit geringer klinischer Reaktion auch eine geringe Entzündungsreaktion auf eine Vielzahl von Entzündungssignalen zeigten. „Tatsächlich hat diese Studie eine bisher nicht beschriebene Heterogenität der Entzündungsreaktion auf bakterielle Akkumulation aufgezeigt“, sagte Dr. Richard Darveau von der UW School of Dentistry, einer der Autoren der Studie.

Das Verständnis der Variationen bei Zahnfleischentzündungen könne dazu beitragen, Personen mit einem erhöhten Parodontitis-Risiko besser zu identifizieren, sagen die Forscher. Darüber hinaus sei es möglich, dass diese Variation der Entzündungsreaktion mit der Anfälligkeit für andere chronische bakterienbedingte Entzündungszustände in Zusammenhang steht, etwa mit entzündliche Darmerkrankungen.

Neuartige Schutzreaktion des Körpers entdeckt

Die Forscher haben zudem eine neuartige Schutzreaktion des Körpers entdeckt. Diese wird durch die Ansammlung von Plaque ausgelöst und kann bei Entzündungen Gewebe und Knochen retten. Der Mechanismus nutzt weiße Blutkörperchen, die als Neutrophile bekannt sind. Im Mund wirken sie wie Polizisten, sie patrouillieren und regulieren die Bakterienpopulation. So halten sie einen stabilen Zustand aufrecht, der als gesunde Homöostase bekannt ist.

In diesem Fall ist Plaque kein Bösewicht. Im Gegenteil, die Forscher sagten, dass die richtige Menge und Zusammensetzung von Plaque die normale Gewebefunktion unterstützt. Studien an Mäusen haben gezeigt, dass Plaque auch einen Weg für Neutrophile bietet, um aus dem Blutkreislauf durch das Zahnfleisch und in die Spalte zwischen den Zähnen und dem Zahnfleisch zu wandern.

Gesunde Homöostase

Wenn eine gesunde Homöostase vorhanden ist und alles richtig funktioniert, fördern die Neutrophilen die Kolonisationsresistenz. Die hilft dem Mund, einen Überschuss an ungesunden Bakterien abzuwehren und Infektionen zu widerstehen. Gleichzeitig tragen die Neutrophilen dazu bei, die richtige mikrobielle Zusammensetzung für eine normale parodontale Knochen- und Gewebefunktion sicherzustellen.

Die Ergebnisse der Forscher unterstreichen die Vorzüge des regelmäßigen Zähneputzens und der Verwendung von Zahnseide. Beides verhindert die  Bildung von zu viel Plaque. „Die Idee der Mundhygiene besteht darin, die Zahnoberfläche mit geeigneten Bakterien zu besiedeln, die an der Entzündungsreaktion des Wirts beteiligt sind, um unerwünschte Bakterien fernzuhalten“, sagt Dr. Darveau.

Die Ergebnisse der Forscher wurden zuerst in der Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS) veröffentlicht.



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