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Interdentalbürsten: Empfehlung für Patienten

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Rot ist nicht gleich rot

Interdentalbürsten: Empfehlung für Patienten

Interdentalbürsten sind für die Zwischenraumreinigung das beste Hilfsmittel, weil sie am gründlichsten Zahnbelag entfernen und Gingivitis vorbeugen kön­nen

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Für die häusliche Interdentalraumpflege können den Patienten Individuell geeignete und passende Hilfsmittel empfohlen werden. Diese Empfehlungen können aber auch einige Tücken mit sich bringen. Wir zeigen Euch, worauf Ihr bei Interdentalbürsten und deren Empfehlung besonders achten müsst.

Ein Beispiel aus dem Praxisalltag: Eine Patientin mit guter Mundhygiene ist motiviert und kommt regelmäßig zur PZR. Auch die Interdentalreinigung wird von ihr zu Hause umgesetzt. Einige Monate später beklagt sie sich über „schwarze Dreiecke“, die Zahnzwischenräume scheinen sich vergrößert zu haben. Der Grund: Die Patientin hat in der Praxis für Interdentalbürsten in den Farben rot und pink eine Empfehlung erhalten. Zuhause verwendete sie allerdings Interdentalbürsten (IDB) eines anderen Herstellers, dessen rote Bürsten größer sind als die roten, die in der Praxis verwendet werden. Denn die Zuordnung der Farbcodes zu den Größen ist nicht bei allen Marken identisch – die Empfehlung einer Interdentalbürste anhand der Farbe hat also ein großes Fehlerpotenzial. Dieser Fall zeigt sehr eindrücklich, wie wichtig die gelegentliche Überprüfung der Putzgewohnheiten in der Praxis ist.

Ihr seid die Schlüsselperson

In den Recall-Terminen ist es deshalb auch so wichtig, mit den Patienten zu kommunizieren. Auch um herauszufinden, was bei diesen in der häuslichen Mundhygiene passiert. Nur so fallen falsche Gewohnheiten auf und können verändert werden. Denn die Prophylaxefachkräfte der Praxen sind die Schlüsselperson in der Prophylaxe. Sie geben den Patienten wichtige Tipps für den Alltag mit und korrigieren Fehlentwicklungen. Wir haben Euch die TOP-8-Tipps zusammengefasst:

Top 8 Tipps zu Interdentalbürsten und deren Empfehlung

  1. IDB sind (ihre atraumatische Verwendung vorausgesetzt) für die Zwischenraumreinigung das beste Hilfsmittel, weil sie am gründlichsten Zahnbelag entfernen und Gingivitis vorbeugen kön­nen (2,3). Die Größenauswahl sollte nicht nur individuell erfolgen, sondern es sollte auch regelmäßig geprüft werden, ob die Größen noch aktuell sind – auch die Zahnzwischenräume können sich verändern.
  2. Ihr wisst, dass es bei der Größenauswahl optimal ist, wenn ein leichter Widerstand zu spüren ist. Nur: Jeder Patient ist anders – was für den einen ein leichter Widerstand ist, ist für den an­deren ein großer und für noch jemand anderes gar keiner. Deshalb sucht Ihr die richtige Größe aus und lasst Euch die Anwendung im besten Fall vom Patienten zeigen. Darüber hinaus gibt es mit einer Küchenwaage ein recht einfaches Mittel, den Widerstand zu objektivieren: Probiert mit den Arbeitsenden unterschiedlicher IDB-Größen den empfohlenen Druck von 50 Gramm auf einer Waage aus. Diesen Tipp könnt Ihr auch Euren Patienten mitgeben.
  3. Bei empfindlichem Zahnfleisch oder sensiblen Zahnhälsen eignen sich oftmals die soften Varianten der IDB.
  4. Nicht unter allen Umständen sind IDB die richtige Wahl. Wenn die Zwischenräume eng sind und auch die kleinste IDB nicht passt, dann kann den Patienten beispielsweise der Griff zur Zahnsei­de empfohlen werden.
  5. Wann verwendet der Patient die IDB? Sie sollten vor dem Zähneputzen und ohne Zahncreme genutzt werden, da die abrasiven Inhaltsstoffe den empfindlichen Zwischenraum auf Dauer verletzen können. Außerdem können die Wirkstoffe der Zahncreme beim anschließenden Zähneputzen sehr gut in den dann sauberen Zwischenraum gelangen und dort auf Zähne und Gingiva einwirken.
  6. Was macht der Patient mit seinem Zahnersatz? Hilft es, ihn vor der Reinigung zu entfernen oder ist es sinnvoll, ihn im Mund zu belassen, z. B. weil er als Führung dient? Es lohnt sich, mit dem Patienten darüber zu sprechen und sich die Anwendung zeigen zu lassen.
  7. Hat der Patient eine Putzsystematik? Wenn ja, solltet Ihr Euch diese zeigen lassen. Studien las­sen vermuten, dass beim Putzen die Systematik wichtiger ist als die Technik (4). Und für die Zwischenräume gilt natürlich auch: Jeder Zwischenraum muss gereinigt werden. Macht der Pa­tient das oder hat er womöglich „Lieblingszwischenräume“ oder welche, die er stiefmütterlich behandelt, weil sie z. B. schwierig zu erreichen sind oder es an dieser Stelle immer ein bisschen zwickt oder blutet? Auch hier lohnt sich das Nachhaken.
  8. Bringen Eure Patienten ihre Hilfsmittel mit, die sie zu Hause verwenden? Bittet sie darum, sie beim nächsten Mal mitzubringen. Das könnte viele Worte und damit Zeit sparen, weil Ihr direkt seht, was der Patient verwendet und anhand seiner Produkte könnt Ihr ihm erklären, was warum gut oder schlecht funktioniert. Ausprobieren lohnt sich!

Fragen, zuhören, erklären lassen

Hilfreich für das Gespräch mit dem Patienten ist die Teach Back-Methode (5). Teach-Back (sinnge­mäß: das Gelernte widergeben) ist eine anerkannte und geprüfte Methode, bei der Patienten aktiv einbezogen werden. Das Ziel ist, sicherzustellen, dass die wesentlichen Botschaften eines Gesprächs vom Patienten auch wirklich verstanden werden. Das lässt sich z. B. durch die einfache Frage: „Und wie machen Sie das ab morgen zu Hause?“ herausfinden, weil dann der Patient in eigenen Worten erklärt, was er verstanden hat. Für Euch ist das wiederum eine tolle Kontrolle. Das Schöne ist: Diese Methode lässt sich ohne viel Aufwand und relativ einfach erlernen. Und noch viel besser ist, dass die BZÄK dazu eine kostenlose Online-Fortbildung anbietet (6).

 

Literatur:

  1. Tarnow, D. P., Magner, A.W., Fletcher, P. (1992): The effect of the distance from the contact point to the crest of bone on the presence or absence of the interproximal dental papilla. J Periodontol; 63; 12; S. 995f.
  2. Sekundo, C., Frese, C. (2019): Interdentalraumhygiene. Hilfsmittel und Techniken. Prophylaxe Journal; 4; S. 6ff.
  3. Sälzer, S., Slot, D.E., Van der Weijden, F. A., Dörfer, C. E. (2015): Efficacy of inter-dental me­cha­nical plaque control in managing gingivitis – a meta-review. Clin. Periodontol.; 42; S92ff.
  4. Zimmer, S. (2018): Womit, wie, wie oft und wie lange? Tägliche Mundhygiene. Swiss dental community, 11; 1; S. 48ff.
  5. Bundeszahnärztekammer (2021): Teach-Back erhöht die Therapietreue in der Praxis. Abrufbar unter https://www.zm-online.de/news/praxis/teach-back-erhoeht-die-therapietreue-in-der-praxis/ [Stand 24.09.2021]
  6. Bundeszahnärztekammer (2021): Fortbildungsangebot zur Teach-Back-Methode. Abrufbar unter https://www.bzaek-teach-back.de/ [Stand 28.09.2021]


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