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Sauer macht nicht lustig

Erosionen im Fokus der Prophylaxe

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Erosionen sind ein längst bekanntes Problem. Dennoch rücken nichtkariöse Zahnhartsubstanzverluste immer mehr in den Fokus der Prophylaxe. team sprach mit der Praxistrainerin und DH Simone Laumann über das Thema Erosionen in der Prophylaxe.

Der erfolgreiche Kariesrückgang der vergangenen Jahre führt zu einer Entwicklung der steigenden Prävalenz von erosiven sowie abrasiven Zahnhartsubstanzverlusten. Wobei Simone Laumann direkt erklärt, dass Zahnerosionen durch die Einwirkung von Säuren entstehen. Abrasionen hingegen werden mechanisch verursacht – beispielsweise durch Abrasivstoffe in Zahnpasten oder Nahrungsbestandteile.

Säurehaltige Lebensmittel meist Hauptursache

Aber welche Faktoren sind für säurebedingten Zahnhartsubstanzverlust der Patienten verantwortlich? „Man unterscheidet zwischen intrinsischen und extrinsischen Faktoren. Wenn die Erosion durch die Magensäure (z.B. Reflux, Bulimie) entsteht, also von innen kommt, sprechen wir von einer intrinsischen Ursache. Kommt die Säureeinwirkung von außen, durch säurehaltige Nahrung oder Getränke, ist es eine extrinsische Ursache“, erklärt Laumann.

Aber auch andere Faktoren, wie beispielsweise die Pufferkapazität des Speichels sowie die Säurelöslichkeit der Zahnhartsubstanz, würden laut der Expertin eine wichtige Rolle spielen.

Erosionen sind also multifaktoriell. Bei vielen Patienten sind jedoch säurehaltige Lebensmittel in der Hauptsache die Ursache. Dies ist auf ein verändertes Gesundheits- und Ernährungsverhalten zurückzuführen – immer mehr Menschen trinken zunehmend Getränke mit niedrigem ph-Wert (z.B. Fruchtsäfte) und essen vermehrt säurehaltige Früchte oder Salate mit Essigdressings. Die Erosionen nehmen auch zu, weil der Trend weiter zu einer gesundheitsbewussten Ernährung geht.

Sorgfältige Anamnese bei Erosionen in der Prophylaxe

Aber auch andere Patientengruppen seien laut Laumann von Erosionen betroffen. Etwa Patienten, die an Essstörungen wie Bulimie oder Anorexia nervosa leiden. „Auch Patienten, die an ausgeprägter Schwangerschaftsübelkeit mit Erbrechen oder Reflux leiden, weisen häufig Erosionen auf“, weiß Laumann.

Was laut Laumann vielen Patienten gar nicht so bewusst ist: Auch Medikamente können erosive Eigenschaften haben. Beste Beispiele dafür seien etwa Asthmasprays oder Aspirintabletten.

Wie bei allen anderen Patienten auch, ist es auch hier wichtig, eine sorgfältige Anamnese durchzuführen. Hierbei muss nicht nur nach Magenproblemen, Medikamenten und Zahnpflegegewohnheiten gefragt werden, sondern auch eine sorgfältige Ernährungsanamnese durchgeführt werden. Dabei ist auch ein entsprechendes Fingerspitzengefühl notwendig. Ein komplettes Verbot von Softdrinks, Salaten oder anderen säurehaltigen Nahrungsbestandteilen ist nicht immer zielführend.

Tabelle zur Einordnung

Die Erfahrungen mit Erosionen in den vergangenen Jahren haben zumindest die Diagnose der Problematik deutlich erleichtert. Erosionen sind durch die klinische Untersuchung der Zähne (z.B. während der Prophylaxe) in der Regel gut zu erkennen. Laumann: „Typisch für Erosionen an den Glattflächen der Zähne ist das noch intakte Schmelzband am Gingivarand und eine matt erscheinende Mulde. Auf den Okklusalflächen verliert der Zahn seine natürliche Form, die Höcker flachen ab und auch hier entstehen Mulden. Weil der Zahnschmelz dünner wird, scheint das Dentin gelblich durch.

Die Erosionen werden in der Prophylaxe sextantenweise in dem BEWE Score (siehe Tabelle) eingeteilt. Dieser gibt der Prophylaxefachkraft die Möglichkeit, den Verlauf der Erosionen in der Prophylaxe zu beobachten, und er gibt eine Hilfestellung zur richtigen Therapie. Mit Ausnahme der dritten Molaren werden alle Zähne jeweils vestibulär, okklusal und oral auf Säureschäden untersucht. Dabei wird jedem Zahn, je nach stattgefundenem Substanzverlust, ein Wert zwischen 0 und 3 zugeordnet und der höchste Wert in jedem Sextanten addiert.

Summe der Punkte  Therapieempfehlung
0–2 • Routinemäßige Beobachtung
• Wiederholung in 3-Jahres-Intervallen
3–8 • Mundhygiene, Ernährungsanamnese
• Routinemäßige Beobachtung
• Wiederholen im Abstand von 2 Jahren
9–13 • Mundhygiene, Ernährungsanamnese
• Routinemäßige Beobachtung
• Fluoridierungsmaßnahmen
• Wiederholung in Abständen von 6–12 Monaten
>14 • Mundhygiene, Ernährungsanamnese
• Routinemäßige Beobachtung
• Fluoridierungsmaßnahmen
• Wiederholung in Abständen von 6–12 Monaten
• Restaurationen in Betracht ziehen

Schmelzschonende Zahnputztechnik

Insbesondere die Mundhygienemaßnahmen der Patienten zu Hause haben laut der Expertin sowohl einen positiven wie auch negativen Einfluss auf die Erosionen. Deshalb empfiehlt Laumann eine schmelzschonende Zahnputztechnik mit einer wenig abrasiven, am besten zinnhaltiger Zahnpasta. „Wenn die Zähne einem Säureangriff ausgesetzt wurden, sollten die Patienten mindestens 30 Minuten, besser noch 60 Minuten bis zum Zähneputzen warten.“

Ein absolutes No-Go seien zu harte Zahnbürsten mit einer „scheuernden“ Putztechnik und abrasiven Zahnpasten. Ihren Patienten rät Laumann auch von zu häufigem Zähneputzen ab: „Zweimal täglich eine gründliche, aber schonende Reinigung ist ausreichend!“

Darüber hinaus könnten die Patienten zusätzlich nach einer Säureattacke mit fluorid- oder zinnhaltige Mundspüllösungen den Mund ausspülen – oder zumindest mit Wasser. Ein weiterer Tipp sind Zahnpflegekaugummis. Diese würden zur Speichelanregung führen und damit gegen die Säure wirken.

Geeignete Hilfsmittel

Selbstverständlich gelten auch bei unseren Erosionspatienten die Regeln der Zahnzwischenraumreinigung – je nach Größe des Zahnzwischenraums sollte das geeignete Hilfsmittel (Zahnseide oder Interdentalraumbürstchen) ausgesucht werden. Bei der Ernährungsberatung rät die Dentalhygienikerin ihren Patienten zu Fruchtsäften mit Calcium und dazu, saure Speisen sowie Getränke nicht den ganzen Tag über zu konsumieren. „Dadurch würde der pH-Wert dauerhaft unten gehalten und der Abbau des Zahnschmelzes begünstigt.“

Durst sollten Patienten mit Anfälligkeit zu Erosionen besser mit Wasser als mit Limonaden oder Säften stillen und möglichst saure Lebensmittel mit Milchprodukten kombinieren. Ein weiterer Tipp sei laut Laumann das regelmäßige Auftragen von Fluoridlacken in der Zahnarztpraxis.

Erosionen in der Prophylaxe präventiv verhindern

Erosionen Prophylaxe

DH Simone Laumann

Copyright © privat

Ein guter Ansatz sei ebenfalls der Versuch, Erosionen bei den Patienten präventiv zu verhindern. Eine Möglichkeit dafür wäre, dies durch eine frühzeitige und ausführliche Erklärung der Risikofaktoren und Ursachen der Erosionen zu erreichen. Die Empfehlung der richtigen Mundhygieneprodukte wie Zahnpasta oder Mundspüllösungen und Einweisung in die richtige und vor allem schonende Putztechnik sei außerdem ausschlaggebend.

Ebenfalls proaktiv könnte eine frühzeitige Ernährungsberatung prophylaktisch wirken. Gute Ergebnisse erzielt Laumann, wenn die Patienten ein Ernährungstagebuch führten. Und wenn es doch mal Süßigkeiten sein müssen, empfiehlt die DH Schokoladen und Bonbons mit dem Zahnmännchen: „Die verursachen weder Karies noch Erosionen!“

Eines ist für die Expertin allerdings klar: Der Erfolg all dieser Maßnahmen hängt stark von der Mitarbeit der Patienten ab.



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