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Bruxismus

Knirschen in der Nacht

Vor allem in der Nacht knirschen viele der Bruxismus-Patienten mit ihren Zähnen.

Copyright © Gehlen/DÄV

Wenn Patienten nachts oder auch tagsüber Knirschen, fällt das nicht immer auf. Aber gerade in der Prophylaxe können Probleme wie Bruxismus oder Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) sichtbar werden.

Während der Prophylaxebehandlung sind die Zeichen oftmals sehr deutlich: Der Zustand der Zähne ist ein erster Indikator, häufig einhergehend mit dem Verlust der Zahnsubstanz. Auch die Gingiva weist dabei erhebliche Schäden auf. Zudem ist die Abnutzung des Zahnschmelzes möglich und zu erkennen. Die Zähne des Patienten reagieren häufig auf Kälte oder Wärme und können Risse aufweisen. „Bei vielen dieser Patienten, die mit den Zähnen knirschen, liegt eine Fehlstellung im Ober- und Unterkiefer vor, die oftmals auch Kopf- und Rückenschmerzen oder Nackenverspannungen mit sich bringt“, erklärt DH Daniela Scheulen aus der Zahnarztpraxis Brokmeier und Lehner in Mönchengladbach. All diese Faktoren seien Hinweise auf Bruxismus und eine Craniomandibuläre-Dysfunktion (CMD).

Bruxismus verschlimmert die PAR

Scheulen betont, dass Bruxismus schwere Folgen für die Zahngesundheit, aber auch für den gesamten Körper und die Allgemeingesundheit mit sich bringen kann. Das Kiefergelenk werde durch das permanente Zusammenpressen der Zähne und das Knirschen in Mitleidenschaft gezogen. „Der Erhalt der Zähne kann unter Umständen fraglich werden, weil durch das Knirschen auch assoziierte Entzündungen der Gingiva entstehen können.“ Bereits durch Studien ist belegt, dass Bruxismus die Parodontitis verschlimmert.

Betroffene können zudem nicht von heute auf morgen mit dem Knirschen aufhören, bereits bestehende Probleme und Schäden schreiten weiter voran. Durch das permanente Zähneknirschen leiden die Patienten nicht nur körperlich. „Nachts schläft man nicht besonders gut und tagsüber holt einen dann die Müdigkeit und die Abgeschlagenheit ein“, erklärt Scheulen.

Was die Ursachen und die Therapie von Bruxismus betrifft, hat die Wissenschaft in den vergangenen Jahren deutlich Fortschritte gemacht. Daraus resultierte eine 2019 veröffentlichte S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des Bruxismuses. Demnach gilt Bruxismus heute als multifaktoriell bedingt. Emotionaler Stress, Angststörungen, Schlafstörungen, Nikotin-, Alkohol-, Koffein- und Drogenkonsum, Nebenwirkungen von Medikamenten oder genetische Einflüsse sind dabei die bekannten Risikofaktoren.

Zu einem Umdenken in der Therapie führte auch die Tatsache, dass korrigierendes Einschleifen Bruxismus nicht stoppen kann, und die Erkenntnis, dass Störungen der Okklusion auch Folgen des Bruxismus sein können. Scheulen berichtet von Bruxismus-Patienten, die vor allem über Nacht mit den Zähnen knirschen. „Im Schlaf verarbeitet man vieles, was am Tag passiert, und auch psychischen Stress, der durch verschiedene Einflüsse verursacht wird , verarbeitet man im Schlaf“, erklärt die DH. Auch in der Wissenschaft wird aktuell darüber diskutiert, ob Bruxismus eine stressabbauende Funktion hat. Dies könnnte eine Erklärung für eine physiologische Funktion des Bruxismus in Zusammenhang mit Stress sein.

Aufbissschiene gegen das Knirschen für die Nacht

Die Behandlungsansätze sind laut der Expertin sehr unterschiedlich. „Zunächst sollten die Patienten den Zahnarzt aufsuchen. In der Diagnostik kann festgestellt werden, wie ausgeprägt und stark der Bruxismus ist. Dann können die betroffenen Patienten an Kollegen wie Physiotherapeuten überwiesen werden.“ Scheulen empfiehlt, dass beim Bruxismus in der Nacht bzw. im Schlaf eine Aufbissschiene (Knirscherschiene) angefertigt werden sollte. „Aufgabe der Schiene ist es, die Zähne zu schützen und dafür zu sorgen, dass die Patienten weniger knirschen“, so Scheulen.

Dies hänge jedoch auch vom Leidensdruck des Patienten ab. Es gibt außerdem bestimmte Entspannungsverfahren, die dabei helfen können, Anspannungen zu lockern und zu lösen und Tipps, besser mit Stress umzugehen. Dafür könne man verschiedene Kurse besuchen, in denen Bruxismus-Patienten diese Übungen erlernen können.

Deshalb ist die Aufklärung und Beratung der Patienten so wichtig. Viele von ihnen wissen überhaupt nicht, dass sie an Bruxismus leiden.
Aufgrund fehlender kausaler Therapiemöglichkeiten kommt der Früherkennung und Prävention ein besonderer Stellenwert zu. Oftmals sieht vor allem die Prophylaxefachkraft während der Behandlung die ersten Anzeichen von Bruxismus und kann die Patienten darauf ansprechen oder den Zahnarzt mit hinzuziehen.

Kiefergelenk entspannen lassen

Generell gilt laut Scheulen für die Prophylaxesitzung, dass Bruxismus-Patienten genauso behandelt werden sollten wie Patienten, die nicht mit den Zähnen knirschen. „Man sollte aber während der Behandlung darauf achten, dass der Patient den Mund zwischendurch immer mal schließen kann, um das Kiefergelenk zu entspannen.“ Zusätzlich könne man dem Patienten auch vorsichtig kleine Massageeinheiten in der Sitzung anbieten.

Zudem sollten Bruxismus-Patienten auch auf eine gute Mundhygiene achten. Dazu zählt neben dem mindestens zwei Mal täglichen Zähneputzen auch die Zahnzwischenraumpflege, zum Beispiel mit Zahnseide oder Zwischenraumbürstchen. „Unsere Aufgabe besteht darin, die Patienten diesbezüglich bestmöglich zu instruieren und zu unterstützen”, erläutert Scheulen. Denn gesunde Zähne können dem Knirschen der Patienten besser standhalten.

Bruxismus ist stark mit Stress assoziiert. Gerade in den Zeiten der Corona-Pandemie steige bei vielen Patienten das Stresslevel. Das beobachtet Scheulen auch bei den Patienten der eigenen Praxis. „Grund für den zunehmenden Stress sind beispielsweise die Kontaktbeschränkungen oder untersagte Freizeitaktivitäten während der Corona-Pandemie“, sagt Scheulen. Auch die neuen Arbeitsbedingungen wie „Home Office“ oder neue Arbeitszeiten hätten viele Patienten als Stress empfunden. Die Expertin glaubt, dass es sein kann, dass die Zahl der Bruxismus-Patienten deswegen zukünftig steigen könne, aktuell bemerke sie in ihrer Praxis noch keinen Anstieg


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