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Wie aufwändig ist die PZR im Pflegeheim?

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Mundhygiene bei Pflegebedürftigen

Wie aufwändig ist die PZR im Pflegeheim?

Ältere Menschen sind mit der Zahnpflege häufig überfordert. Umso wichtiger ist eine regelmäßige professionelle Prophylaxe.

Copyright © Viacheslav Iakobchuk - stock.adobe.com

Es ist ja eigentlich eine gute Nachricht: Die Lebenserwartung der Menschen steigt immer weiter. Das heißt aber auch, immer mehr Menschen sind im Alter pflegebedürftig. Das bringt besondere Herausforderungen für die Zahngesundheit mit sich. Ein Forscherteam aus Köln hat jetzt untersucht, wie aufwändig eine professionelle Zahnreinigung (PZR) bei pflegebedürftigen Senioren ist.

Schon heute sind in Deutschland fast 40 Prozent der 85- bis 89-Jährigen pflegebedürftig – bei den Menschen, die 90 Jahre oder noch älter sind, sind es sogar fast zwei Drittel. Statistisch gesehen haben knapp 47 Prozent der Pflegebedürftigen zwischen 75 und 100 Jahren noch eigene Zähne (im Schnitt 12,1 Stück) – das geht aus der fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V, 2016) hervor. Doch um diese Zähne steht es oft nicht gut: Etwa die Hälfte ist von Karies betroffen, drei Viertel der Patienten haben eine belegte Zunge und nur jede vierte Prothese ist frei von Zahnbelag. Auch ein Ergebnis der Studie: Fast jeder dritte Pflegebedürftige ist allein nicht in der Lage, seine Zähne bzw. seinen Zahnersatz zu pflegen – und auch das Pflegepersonal kommt oft nicht hinterher. Deshalb hat die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) in 2018 auch das Thema „Gesund im Mund – bei Handicap und Pflegebedarf“ in den Mittelpunkt des Tages der Zahngesundheit gestellt.

PZR dauert etwa 37 Minuten

Die Arbeitsgruppe Seniorenzahnmedizin am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Uniklinik Köln hat jetzt untersucht, in welchem Verhältnis Aufwand und Nutzen einer PZR bei Pflegeheim-Bewohnern zueinander stehen. Ein Schwerpunkt war die Frage, ob die Behandlung von Patienten mit Demenz oder körperlichen Einschränkungen aufwändiger ist. Die Studie wurde im Journal Special Care in Dentistry veröffentlicht. Das Ergebnis: Die Forscher fanden keinen wesentlichen Unterschied bei der Behandlungszeit – ganz egal, ob die Patienten dement oder in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt waren oder nicht.

Im Schnitt dauerte die Professionelle Zahnreinigung bei allen Patienten etwa 37 Minuten (± elf Minuten). Als Kosten für ein Erreichen makroskopisch sauberer Ergebnisse im Pflegeheim setzten die Wissenschaftler knapp 15 Euro an. Dabei handle es sich allerdings nur um die direkten Kosten bezogen auf die Verbrauchsmaterialien und die Lohnkosten für das zahnmedizinische ausführende Fachpersonal, erklärt die Studienautorin Dr. Dr. Anna Greta Barbe. Dabei müsse man auch die reduzierte Zahnzahl bei vielen Pflegeheimbewohnern berücksichtigen: Ein Reinigen der Zähne bei einem Patienten, der nur noch zwei oder drei eigene Zähne habe, sei deutlich schneller und günstiger umsetzbar als eine Standard-PZR in der Praxis.

Das Ergebnis der Studie solle ein Anreiz sein, die PZR als ersten Schritt für eine langfristige Mundhygiene-Strategie für pflegebedürftige Senioren einzuführen, schreiben die Autoren in ihrem Fazit. Die BZÄK plädiert ohnehin dafür, das Thema Mundhygiene stärker in die Pflegeausbildung zu integrieren und die Ausbildungsinhalte entsprechend anzupassen.



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  1. 15 Euro Kosten für 37 Minuten PZR? Wer hat da was kalkuliert? Zst und Mu?

    • Sind halt “Wissenschaftler”, die vermutlich nicht wissen, wie eine ordentliche PZR geht. Und eine solche geht bei Pflegefällen im Heim bzw. im Bett sowieso nicht.

  2. Jenny Hoffmann

    26 April

    Hallo Herr Dr. Klaas,

    diese Information stammt aus dem Abstract der veröffentlichten Analyse. Bei Fragen zum Inhalt und zur Durchführung der Untersuchung wenden Sie sich am besten direkt an die Autoren der Studie. Unserer Redaktion liegen zur Kalkulation leider keine weiterführenden Informationen vor.

    Viele Grüße
    DENTAL team

  3. Palesch, Nicole

    27 April

    Ich muss ganz klar sagen, das die Kalkulation hingt mit den Kosten. Zweitens ist es selbst in einer Zahnarztpraxis nicht gegeben, Patienten mit körperlicher, organischer oder geistiger Behinderung aus dem Pflegeprogramm ohne Fachpersonal für die Patienten zu behandeln.
    In der Realität sieht es so aus, das in einer Zahnarztpraxis der Patient im Rollstuhl abgestellt wird vom Krankentransport, die weiter fahren und ihn wieder abholen wenn fertig. Pflegepersonal ist nicht dabei da werden wir in der Praxis allein gelassen, wir müssen den Pat. umsetzen und wenn das nicht geht im Rollstuhl behandeln, was es nicht einfacher macht und das in 37 min., meist allein.
    Und welches Pflegeheim hat ein Zimmer so ausgerüstet um diese Maßnahmen durchzuführen?
    Welche Theoretiker haben diese Studie aufgestellt, in der Praxis null Funktion.

  4. Gundula Hofmann

    8 Mai

    Gerade freu ich mich,dass sich endlich mal jemand aus der BZAEK fuer Pflegeheimpatienten interessiert und dann dieser Preiswitz.Ich besuche regelmäßig ein Demenzheim und weiss genau,dass es allein oft gar nicht möglich ist,den Patienten dazu zu bewegen,den Mund aufzumachen,geschweige denn,darin zu arbeiten.Dies immer gern zu zweit.Bei dieser seltsamen Studie fehlen so einige Informationen darüber,wie sie im einzelnen abgelaufen ist.Deshalb hoffe ich sehr,dass sie die allgemeine Presse erst erreicht,wenn sie spezifiziert ist.

  5. Lena

    30 September

    Meine Oma benötigt dringend einen Pflegedienst, da sie ab sofort nicht mehr selbstständig in ihrem Haus zurechtkommt. Unsere Familie arbeitet gerade auf Hochtouren, etwas zu finden. Mir war gar nicht bewusst, wie vielen Menschen es so geht, dass es bereits 40 % der 85- bis 89-Jährigen pflegebedürftig sind.

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